20 Jahre "Haus im Moor"
Es ist nicht mehr wegzudenken. In keiner Tourismuswerbung der Wildeshauser Geest und der Diepholzer Moorniederung fehlt es, jedes Schulkind kennt es und doch ist es noch relativ jung. Die Rede ist vom Haus im Moor in Goldenstedt-Arkeburg. Vor 20 Jahren wurde das noch heute einzigartige Naturschutz- und Informationszentrum (NIZ) errichtet.
Anfang Juli wird diese Erfolgsgeschichte gebührend gefeiert. Der Förderverein Goldenstedter Moor lädt am 7. und 8. Juli zu „Tagen der offenen Tür“ ins Moor ein. Außerdem wird es eine offizielle Feierstunde mit zahlreichen Ehrengästen aus Politik und Wirtschaft geben.
An diesen Tagen werden auch zwei neue Ausstellungen eröffnet. Die Outdoor-Ausstellung „Bilder kehren ins Moor zurück“ von Willi Rolfes wird auf dem Gelände zu sehen sein. Im Haus im Moor selbst gibt die Ausstellung „Zeitreise“ einen Einblick in die Arbeit und Entwicklung des NIZ. Darüber hinaus ist am Jubiläumswochenende auch der sehenswerte Imker-Informationsstand geöffnet.
Attraktiver Lernort in der Natur
Errichtet wurde das Haus im Moor vor 20 Jahren vom damals frisch gegründeten Förderverein Goldenstedter Moor, der bis heute Träger der Einrichtung ist. Bürgermeister Willibald Meyer wurde zum Vorsitzenden gewählt und ist es bis heute geblieben.
Als hervorragender Standort für das Umweltbildungszentrum erwies sich damals ein etwa fünf Hektar großes, teilabgetorftes Grundstück der Firma Bernard Wübbeler am nördlichen Rand des Goldenstedter Moores. Die ortsansässigen Torfwerke Wübbeler und Böske waren wichtige Motoren des Projekts.
Für die umweltpädagogische Konzeption war von Beginn an die Goldenstedter Ländliche Erwachsenenbildung (LEB) verantwortlich. Deren Mitarbeiterinnen Rita Böckmann und Annette Kraimer sind seit 20 Jahren ehrenamtlich im Vereinsvorstand tätig. Seit seiner Gründung hat sich das NIZ mit ihrer Unterstützung zu einem attraktiven Lernort in der Natur entwickelt, der weit über die Region hinaus beliebt ist.
Eine Brücke zur Natur schlagen
Im Laufe der Jahre entstanden auf dem Gelände eine ganze Reihe architektonisch interessanter Gebäude. Sie alle dienen auf unterschiedliche Weise einem Ziel: Den modernen Menschen von heute eine Brücke zur urwüchsigen, reizvollen Moorlandschaft zu schlagen.
So entstand neben dem Haus im Moor mit seinem Moorerlebnis-, Barfuß- und Skulpturenpfad zum Beispiel das Moorbioskopion. Der elf Meter hohe, dreigeschossige Aussichtsturm beherbergt in der unteren Etage ein anspruchsvolles Umweltlabor. Außerdem wurde nach historischem Vorbild ein Schafstall errichtet, es gibt eine Obstscheune mit Streuobstwiese und im Moortunnel finden Besucher ein unterirdisches Museum. In Anlehnung an das Haus im Moor wurde der „Bahnhof“ gebaut. Hier starten die Moorbahnfahrten.
Moor erleben - Moor schützen
Die Moorbahnfahrten sind sowohl bei den vielen Tagesgästen, als auch bei Vereinen, Schulklassen und Naturschutzverbänden ganz besonders beliebt. Unter dem Motto „Moor erleben – Moor schützen“ sammeln die Besucher „mitten im Moor und doch ohne dessen Vegetation zu stören, Erfahrungen, die sie zeitlebens nie wieder vergessen werden“, beschreibt Meyer das Erlebnis einer Moorbahnfahrt. Im Herbst bietet die jährlich wiederkehrende Rast von tausenden Kranichen den Fahrgästen ein einzigartiges Naturschauspiel.
Die Besucher kommen schon seit vielen Jahren nicht mehr allein aus der Region. Es ist sogar ein europaweites Interesse am Haus im Moor festzustellen. Das ist nicht verwunderlich, kann es doch aufgrund seiner Entstehungsgeschichte und seines vereinsorientierten und weitgehend ehrenamtlichen Managements als einmalig bezeichnet werden.
Eine Ehrung von höchster Stelle gab es 2006 im Rahmen des bundesweiten Wettbewerbs Land der Ideen. 10 Jahre zuvor wurde das NIZ vom Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund mit der Verleihung des kommunalen Umweltpreises ausgezeichnet.
Viel Engagement und Unterstützung
Finanzielle Unterstützung erfolgte mehrfach durch die Deutsche Bundesumweltstiftung (DBU) und zahlreiche EU-geförderter Projekte. Maßgebliche Unterstützung haben auch viele regionale Institutionen, örtliche Firmen und naturinteressierte Privatpersonen durch einmalige Spenden oder langjährige Patenschaften geleistet. Eine unverzichtbare Basis für die positive Entwicklung des NIZ sind die etwa 200 Mitglieder des Fördervereins. Ihnen gilt im Jubiläumsjahr ein ganz besonderes Dankeschön.
Nach 20 erfolgreichen Jahren kann man allerdings die Augen nicht davor verschließen, dass zwischenzeitlich viele Gemeinden der Region ebenfalls die Moorlandschaft als touristisches Ziel entdeckt haben. Mit hohen kommunalen oder staatlichen Mitteln wurden Moorzentren geschaffen, in denen es an nichts fehlt. Nicht wenige Initiatoren hatten sich zuvor im NIZ informiert.
Der Förderverein muss die Konkurrenz aber nicht fürchten. Er hat ohne Zweifel Pionierarbeit geleistet und kann stolz auf das Ergebnis sein. Das Haus im Moor hat die Gemeinde Goldenstedt weit über ihre Grenzen hinaus bekannt gemacht. Die Goldenstedter haben allen Grund dankbar zu sein und mit dem Förderverein das 20-jährige Bestehen des Haus im Moor zu feiern.
Die Unterstützung der Öffentlichkeit und besonders der Kommunalpolitik ist auch weiterhin gefragt. Nur so kann das Haus im Moor auch in Zukunft als bedeutender Imageträger der Gemeinde Goldenstedt bestehen und den Mitwerbern in der Region dauerhaft Paroli bieten.